Montag, 17. März 2014

Aus dem Leben einer Busfahrerin

 Heute hatte ich ein sehr berührendes Erlebnis. Es beschäftigt mich schon den ganzen Tag...

Als ich heute Morgen 20 Minuten Pause hatte, wollte ein junger Mann in den Bus einsteigen, so um die 30 - denke ich...
Einer von der "harten" Sorte... Schwarzer Kapuzenpulli, Kapuze über einem kahl geschorenem Kopf. Im Gesicht einen Ziegenbart. Ein Ohrring in Länge- und Breitendurchmesser... Unglaublich! Die Fingerknöchel tätowiert. Eine alte, abgewetzte Harleyjacke über dem Pulli, an denen Knöpfe fehlten. Eine fast leere Bierflasche in der Hand. Niemand, dem man im Dunklen begegnen möchte! Aber es war morgens kurz vor 9:00 Uhr.
Er hatte ein gültiges Ticket. Ich ließ ihn einsteigen. Dann kam er wieder nach vorne und fragte, ob ich zufällig Feuer hätte. "Nein, zufällig nicht... Ich rauche!" Ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht.
Wir stiegen aus, er steckte sich seine Zigarette an, schaute mich an und sagte: "Mein Leben ist seit eben vorbei..." Und dann liefen Tränen über sein Gesicht...
Weiter sag ich nichts dazu...
Wir haben noch ein paar Minuten über seine Situation gesprochen und ich hoffe, ich konnte ein bisschen helfen...

Eine halbe Stunde später stieg ein Vater mit seinem 3-jährigen Sohn ein. Türkischer Herkunft?!? Ich weiß es nicht.
Die Beiden sind mir letztens schon aufgefallen. Der kleine Kerl: quicklebendig. Ein Strahlemann!
Letzte Woche stiegen die Beiden ein und der Kleine sagte sofort "Hallo!". Streckte mir seine Hand entgegen. Ich ergriff sie und drückte sie. Und ich sage nur: dieses Lächeln ließ die Sonne noch mal aufgehen. Vater und Sohn setzten sich direkt rechts an die Einstiegstür. Die nächsten 10 Minuten konnte ich erleben, wie aufgeweckt der Kleine war. Er fragte, erzählte und sein Vater war ganz Ohr.
Als die Beiden ausstiegen, habe ich den Vater noch mal angesprochen auf das Wesen seines Sohnes. Er spricht mit seinen 3 Jahren vier Sprachen. Natürlich nicht perfekt. Er versteht vieles intuitiv.
Der "Kleine" ist völlig unbelastet. Völlig offen. Nichts anerzogenes.
Weiter sage ich dazu nichts...

Zwei voneinander unabhängige Situationen. Menschen, über die oft geurteilt wird.

...und sonst? Ich stricke die Socken vom letzten August fertig...